Gibt es weitere Spezialisierungen als Kieferorthopäde?
Es gibt mehrere wissenschaftliche Fachgesellschaften für Kieferorthopäden, die sich mit der Vorbeugung und Korrektur von Stellungsfehlern der Zähne sowie der Lage- und Formabweichungen der Kiefer befassen. Die älteste davon ist die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO). Sie wurde 1908 gegründet und hat derzeit etwas über 3.700 Mitglieder. Ziel ist es unter anderem, die Forschung im Fachgebiet auch international zu fördern und zu verbreiten. Dazu gehört die Fortbildung der Mitglieder durch eine regelmäßig stattfindende Jahrestagung sowie die Pflege einer engen Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis. (weitere Infos) Kieferorthopäden können sich nach der Facharzt-Weiterbildung auf spezielle Bereiche ihres Fachgebiets spezialisieren, beispielsweise die Behandlung von Erwachsenen oder auf Funktionskieferorthopädie.
- Eine Zertifizierung in einem speziellen Bereich ist über die Deutsche Gesellschaft für Linguale Orthodontie (DGLO e.V.) möglich. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft forscht und lehrt zum Thema innenliegende, unsichtbare Zahnspangen (linguale Zahntechnik). Zunächst als informelle Interessengemeinschaft gegründet, wandelte sie sich 1998 zu einer formalen Organisation mit etwas über 250 Mitgliedern. Gemäß der Satzung müssen alle Mitglieder innerhalb von fünf Jahren nach der Aufnahme mindestens zwei klinische Behandlungsfälle mithilfe einer lingualen Zahnspange in hoher Komplexität und nach vorgegebenen Kriterien vorlegen. Damit können sie als „Kieferorthopäden für linguale Orthodontie nach DGLO“ zertifiziert werden. (weitere Infos)
- Des Weiteren existiert seit 2007 die Deutsche Gesellschaft für Aligner Orthodontie (DGAO e.V.) mit derzeit 480 Mitgliedern. Ziel ist es einmal, die Vorteile der zunehmend populären drahtlosen Kieferorthopädie bekannter zu machen. Zum Zweiten engagiert sich die Fachgesellschaft in der Fortbildung und Forschung auf dem Gebiet der durchsichtigen Kunststoffschienen (Alignern). Jeder interessierte Kieferorthopäde oder kieferorthopädische Weiterbildungsassistent kann „Mitglied der DGAO“ werden und erhält das Siegel der Fachgesellschaft. Damit wird die Spezialisierung für Fachkollegen und Patienten deutlich gemacht. (weitere Infos)
- Die Gesellschaft für ganzheitliche Kieferorthopädie (GKO e.V.) gibt es seit 2012. Sie hat bundesweit rund 100 Mitglieder. Bei der Behandlung von von Kiefer- und Zahnfehlstellungen liegt der Fokus nicht nur auf Mundraum und Zähnen, sondern auf dem gesamten Körper. In der Regel wird das Ziehen gesunder Zähne zur Erweiterung des Platzes im Kiefer vermieden. Außerdem werden vorzugsweise langsam wirkende Apparaturen genutzt (Bionator, Crozat-Gerät). Im Behandlungsansatz sind Begleittherapien wie Osteopathie oder Logopädie ergänzend berücksichtigt. Kieferorthopäden müssen als „Mitglied der GKO“ Grundkenntnisse in bestimmten naturheilkundlichen Gebieten sowie dauerhafte Anwendung naturheilkundlicher Diagnose- und Therapieverfahren nachweisen. (weitere Infos)