Welche Titel gibt es in der Kieferorthopädie?
Ein Zahnarzt kann nach der zahnärztlichen Berufsordnung einen „Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie“ ausweisen, wenn er besondere Kenntnisse und Fähigkeiten sowie eine nachhaltige, mindestens zweijährige Tätigkeit im Fachbereich nachweist. Die Basis kann ein einschlägiges Curriculum (berufsbegleitende, strukturierte Fortbildung) sein. Hierfür gibt es verschiedene Institute als Anbieter. Dauer und Inhalte variieren. Entscheidend ist, dass ein Zahnarzt keine irreführende Werbung betreiben darf. Der Begriff „Praxis für Kieferorthopädie“ oder die Bezeichnung „Kieferorthopäde“ muss mit den jeweiligen erworbenen Qualifikationen genannt werden, um vom Patienten nicht mit dem üblichen „Facharzt für Kieferorthopädie“ verwechselt zu werden. (Bundesgerichtshof, Urteil vom 29. Juli 2021 – I ZR 114/20) (weitere Infos)
Der „Master of Science Kieferorthopädie“ (M.Sc.) ist ein akademischer Grad, der in einem postgradualen Studium nach dem eigentlichen Zahnarzt-Studium erworben werden kann. Die Kosten liegen je nach Anbieter zwischen 15.000 und über 30.000 Euro. An der Danube Private University im österreichischen Krems dauert dieses Aufbaustudium sechs Semester in Vollzeit. Dabei hat unter anderem die Behandlung von Erwachsenen einen hohen Stellenwert. Die Inhalte decken nach eigenen Angaben Prävention, Diagnose, kieferorthopädische Behandlung in allen Schritten, auch in Verbindung mit anderen Spezialfächern, beispielsweise Prothetik, Ästhetik, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Parodontologie, oder Sprachtherapie ab. (weitere Infos)
Die private DTMD University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry in Schloss Wiltz, Luxemburg, bietet einen berufsbegleitenden Masterstudiengang Kieferorthopädie in vier Semestern an. Voraussetzung dafür ist die Approbation und mehrjährige Berufspraxis. Auch hier liegt ein Schwerpunkt auf der Behandlung von Erwachsenen. Zusätzlich wird mit der Integration neuer, moderner Behandlungsmethoden, etwa Alignern oder digitalem Apparaturendesign geworben. (weitere Infos)
An der Universität Bern gibt es einen „Master of Advanced Studies in Orthodontics and Dentofacial Orthopedics (M.Sc.)“, der als Weiterbildungsprogramm auf ein vierjähriges, strukturiertes Vollzeitstudium ausgelegt ist. Dieses umfasst wissenschaftliches und klinisches Arbeiten in der Praxis, Fallanalysen, Behandlungsplanung und Evaluation, ein Forschungsprojekt sowie Unterricht für die Studierenden der Zahnmedizin. Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Zahnmedizinstudium, mindestens ein Jahr Berufserfahrung sowie der Doktortitel. (weitere Infos)
An der Universität Duisburg-Essen (International Medical College IMC) kann in drei bis vier Semestern (Teilzeit) ein „Master in Specialized Orthodontics“ in deutscher und englischer Sprache erworben werden. Die Studienbewerber müssen sich entweder im zweiten Jahr der Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie befinden oder eine gleichwertige Ausbildung in einer kieferorthopädischen Praxis nachweisen. Denn in diesem Studiengang soll Spezialwissen über das Facharztniveau hinaus vermittelt werden. Dabei spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie eine große Rolle. (weitere Infos)
Der „Master Lingual Orthodontics" an der Medizinischen Hochschule Hannover ist ebenfalls eine ergänzende Qualifikation für einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. Das Lehrangebot kann als Teilzeit-Studium mit vier Semestern Regelstudienzeit absolviert werden. Der Fokus liegt auf der Anwendungsweise „unsichtbarer“ Zahnspangen, bei denen der Zahnbogen auf der Rückseite der Zähne befestigt ist. (weitere Infos)
Auch an der Universität Basel können Zahnärzte mit einer anerkannten Spezialisierung auf Kieferorthopädie (Orthodontics) über zwei Jahre berufsbegleitend ein Master-Aufbaustudium „MAS Lingual Orthodontics“ absolvieren. Das Konzept bietet die Möglichkeit, in klinischer Umgebung mit den beiden häufigsten lingualen Anwendungssystemen digital und analog zu arbeiten. Das Programm umfasst in 24 Modulen und zwei Kompaktwochen insgesamt 1.800 Fortbildungsstunden sowie eine Abschlussarbeit (Masterthesis). Die Unterrichtssprachen sind Deutsch und Englisch. (weitere Infos)