Was lernt ein Facharzt für Kieferorthopädie?
Die theoretische Weiterbildung zum Kieferorthopäden umfasst – laut Musterweiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer - reguläre Vorlesungen, Selbststudium, Fallplanungen und Fallplanungskonferenzen, außerdem Beiträge in Forschung und Lehre. Hierbei werden medizinische Grundlagen, Ursachen von Fehlbildungen sowie Kenntnisse in der Diagnostik und Therapie vermittelt. Insgesamt soll der spezialisierte Zahnarzt umfassendes Wissen und Fertigkeiten in der modernen, wissenschaftlich orientierten Kieferorthopädie erwerben.
Zur Diagnostik gehören unter anderem Abformungen, die exakte Vermessung des Kopfes (Kephalometrie) und die Erstellung von Modellen. Dazu werden bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT (Computertomographie), MRT (Magnetresonanztomographie) und DVT (Digitale Volumentomographie, dreidimensionales Röntgen) genutzt. Im letztgenannten Bereich muss der angehende Kieferorthopäde die Sach- und Fachkunde erwerben.
Eine große Rolle spielen Planung und Anwendung relevanter Behandlungsgeräte und -techniken, beispielsweise herausnehmbare Geräte (inklusive funktionskieferorthopädischer Geräte (FKO) zur Lageanpassung des Kiefers), Multiband- und Multibrackettechniken sowie extraorale Geräte zur Kraftübertragung außerhalb des Mundes. Dazu wird fundiertes Wissen über die biomechanischen Wirkungsweisen vermittelt.
Je nach Indikationen sind die jeweiligen Behandlungen nach funktionellen und ästhetischen Kriterien zu planen. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Oral- und Kieferchirurgen, Parodontologen und Prothetikern spielt eine Rolle. In den drei Jahren der Weiterbildung müssen mindestens 50 neue Patienten (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) mit unterschiedlichen Problematiken behandelt worden sein. Zum Abschluss ist eine mündliche Prüfung – ein einstündiges Fachgespräch – zu bestehen. (weitere Infos)